Das Trennungsjahr

Vor jeder Scheidung steht das gesetzlich vorgeschriebene sogenannte Trennungsjahr. Es handelt sich dabei um einen Zeitraum, in welchem die scheidungswilligen Ehepartner den Entschluss zur Scheidung noch einmal überdenken können oder aber Gelegenheit erhalten sollen, die Trennung und anschließende Scheidung möglichst schonend für alle betroffenen Familienmitglieder in Ruhe vorzubereiten. In dieser Zeit gibt es für beide Ehepartner viel zu bedenken.

Das Trennungsjahr beginnt, sobald die Ehepartner nicht mehr zusammen wirtschaften, d.h. der Zeitpunkt, ab dem jeder der Ehepartner seinen eigenen Weg geht, also nicht mehr auch für den anderen Ehepartner Geld verdient, kocht, putzt, bügelt usw. Die Trennung setzt also nicht den Auszug eines Partners aus der Ehewohnung voraus, sondern nur die vollkommen getrennte Lebensweise, die im Streitfall aber bewiesen werden muss.

In der Regel wünscht oftmals nur einer der Partner die Scheidung. Diese Person sollte daher Beweise sammeln (z. B. Meldebescheinigung nach Auszug, Zeugen für getrenntes Wirtschaften innerhalb der Ehewohnung) für die Frage, wann das Trennungsjahr beginnt, damit nach einem Jahr nicht der scheidungsunwillige Partner die vor einem Jahr erfolgte Trennung abstreiten und dadurch die Scheidung hinauszögern kann

Grundsätzlich gilt ab dem Zeitpunkt der Trennung:

Bei Streit mit dem Ehepartner räumliche Nähe vermeiden, ggf. das Zimmer oder die Wohnung verlassen, Gespräche nur noch in Anwesenheit einer dritten Person (Zeuge!) führen, die im günstigsten Fall beide Eheleute gemeinsam bestimmen, wichtige Dokumente/Unterlagen wie Geburts- und Heiratsurkunde, Belege über Sparguthaben, Versicherungen, Kredite sichern bzw. wenigstens kopieren/scannen.

Vormals gemeinsame Bankkonten sollten getrennt und Einnahmen und Ausgaben über Konten verwaltet werden, die nur jeweils einem der Ehegatten zugeordnet sind.

Laufen Handyverträge auf den Namen des anderen Ehepartners? Auch das sollte geändert werden.

Was ist sonst zu bedenken?

Sind aus der Ehe Kinder hervorgegangen, müssen Sie mit Ihrem Ehepartner eine Regelung zum Umgangsrecht treffen. Ort, Zeit und Dauer des Umgangs mit dem Kind müssen vereinbart werden. Ferner sollten Regeln für den Fall von Krankheit, schulfrei, Ausfall von Kinta oder Schule usw. getroffen werden. Entsprechende Regeln im Rahmen des Umgangsrechts können, wenn die Eheleute sich nicht gütlich einigen können, mithilfe eines Rechtsanwalts oder auch des Jugendamtes mit dem anderen Ehepartner getroffen werden.

Wer bleibt in der Ehewohnung, wer muss ausziehen? Wenn der wirtschaftlich schwächere Ehepartner - oftmals die Ehefrau mit Kindern - das Eigenheim weiter bewohnt, wird der besser verdienende Ehegatte oftmals die Kreditraten an die Bank bezahlen müssen. Dies ist dann ggf. bei der Berechnung des Trennungsunterhalts zu berücksichtigen.

Achtung! Haben beide Ehegatten den Mietvertrag unterschrieben, haftet der ausgezogene Ehepartner weiterhin gegenüber dem Vermieter für die volle Miete. Sofern er zahlen muss, weil der in der Wohnung verbliebene Ehepartner die Miete nicht mehr zahlt, muss der ausgezogene Ehepartner sofort gegenüber dem in der Wohnung verbliebenen Partner den Ausgleichsanspruch geltend machen. Weigert sich der Vermieter, den ausgezogenen Partner aus dem Vertrag zu entlassen, kann der Vertrag im Rahmen des Scheidungsverfahren durch das Familiengericht geändert werden, auch ohne Zustimmung des Vermieters.

Wieviel Trennungsunterhalt steht dem schwächeren Ehepartner zu und für welchen Zeitraum? Soweit die Ehepartner sich nicht freiwillig auf einen angemessenen Unterhalt einigen können, sollte der wirtschaftlich schwächere Ehepartner sich insoweit umgehend anwaltlich beraten lassen, da Unterhalt erst ab dem Monat der Geltendmachung gegenüber dem wirtschaftlich stärkeren Ehepartner gezahlt werden muss.

Wieviel Unterhalt steht den Kindern und ab wann zu? Die Pflicht zur Zahlung von barem Kindesunterhalt des nicht betreuenden Elternteils beginnt erst, wenn das Kind und der andere Elternteil in einem anderen Haushalt leben. Dann beginnt die Zahlungspflicht ab dem Beginn des Monats, in dem der Elternteil zur Zahlung oder zumindest zur Auskunft über sein Einkommen aufgefordert wurde.

Es gibt somit eine Vielzahl von Dingen zu bedenken, die mitunter sehr kompliziert zu beurteilen und/oder zu berechnen sind. Herr Rechtsanwalt Schütz ist Ihr kompetenter Ansprechpartner bei familienrechtlichen Problemen. Generell empfiehlt es sich, in der Krise der Ehe frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen.